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Thermofenster von Mercedes unzulässig? BGH Urteil

Der Bundesgerichtshof BGH wird Ende Oktober 2020 erstmals urteilen, ob das sogenannte Thermofenster von Mercedes eine unzulässige Abschalteinrichtung darstellt oder nicht. Diese Frage ist bislang noch gerichtlich umstritten, ebenso wie die Frage der Haftung der Daimler AG auf Schadenersatz wegen vorsätzlicher sittenwidriger Täuschung.

Egal ob Musterklage, Sammelklage oder Einzelklage. Betroffene Merdcedes Benz Dieselfahrer sollten jetzt rechtzeitig ihre Schadenersatzansprüche prüfen lassen und ggf. auch gegen die Daimler AG einklagen. Erste Schadenersatzansprüche können 3 Jahre nach Bekanntwerden des Mercedes – Dieselskandals oder Rückruf durch das KBA verjähren. Wir gehen davon aus, dass auch die Daimler AG, ebenso wie VW für sämtliche Dieselfahrzeuge in dem betroffenen Zeitraum ihren Kunden Schadenersatz leisten muss, so Rechtsanwalt Knud J. Steffan.

Eine Urteilsübersicht der bisher zum Termischen Fenster oder Thermofenster ergangenen Urteile finden Sie HIER

BGH urteilt zum Thermofenster von Mercedes Benz im Dieselskandal
BGH urteilt zum Thermofenster von Mercedes Benz im Dieselskandal

Bundesgerichtshof: Mitteilung der Pressestelle

Nr. 073/2020 vom 05.06.2020

“Dieselverfahren” gegen die Daimler AG (VI ZR 162/20) am 27. Oktober 2020, 9.30 Uhr

Der unter anderem für das Recht der unerlaubten Handlungen zuständige VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat erneut über Schadensersatzansprüche eines Fahrzeugkäufers gegen einen Fahrzeughersteller zu entscheiden. Der klagende Käufer macht geltend, das von der beklagten Daimler AG hergestellte Fahrzeug weise eine unzulässige Abschalteinrichtung in Gestalt eines sogenannten “Thermofenster” auf. 

Sachverhalt: 

Der Kläger erwarb am 4. Februar 2017 von einem privaten Verkäufer ein gebrauchtes Kraftfahrzeug vom Typ Mercedes-Benz C 220 CDI, Erstzulassung 7. November 2011. Die Laufleistung betrug 69.838 km, der Kaufpreis 13.000 €. In dem Fahrzeug ist ein Dieselmotor der Baureihe OM 651 verbaut. Für den Fahrzeugtyp wurde eine Typgenehmigung nach der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 mit der Schadstoffklasse Euro 5 erteilt.

Bei dem vom Kläger erworbenen Fahrzeug wird ein variabler Anteil der Abgase wieder der Verbrennung im Motor zugeführt, was zu einer Verringerung der Stickoxidemissionen führt. Das Ausmaß der Abgasrückführung hängt unter anderem von der Außentemperatur ab, wobei die Einzelheiten zwischen den Parteien streitig sind.

Der Kläger behauptet, dass bei Temperaturen unter 7 °C keine Abgasrückführung mehr stattfinde. Er sieht in der Steuerung der Abgasrückführung eine unzulässige Abschalteinrichtung, die bewirke, dass die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte zwar auf dem Prüfstand, nicht aber im normalen Fahrbetrieb eingehalten würden.

Die Beklagte macht geltend, dass die fragliche Steuerung, die diverse Parameter berücksichtige, schon keine Abschalteinrichtung im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 darstelle, jedenfalls aber zum Schutz des Motors zulässig sei. 

Mit seiner Klage verlangt der Kläger von der Beklagten im Wesentlichen die Erstattung des gezahlten Kaufpreises abzüglich einer Nutzungsentschädigung Zug um Zug gegen Herausgabe und Übereignung des Fahrzeugs. 

Bisheriger Prozessverlauf: 

Das Landgericht hat die Klage abgewiesen. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers zurückgewiesen. Zur Begründung hat es in erster Linie ausgeführt, dass dem Kläger kein Schadensersatzanspruch wegen sittenwidriger vorsätzlicher Schädigung gemäß § 826 BGB gegen die Beklagte zustehe. Das Inverkehrbringen des später vom Kläger erworbenen Fahrzeugs sei nicht als sittenwidrige Handlung einzustufen, unabhängig von der objektiven Rechtmäßigkeit oder Rechtswidrigkeit des in der Motorsteuerung installierten “Thermofensters”. Es könne nicht ohne weiteres unterstellt werden, dass die Verantwortlichen bei der Beklagten in dem Bewusstsein agiert hätten, möglicherweise eine unzulässige Abschalteinrichtung zu verwenden. Die Gesetzeslage sei hinsichtlich der Zulässigkeit von “Thermofenstern” – anders als hinsichtlich der Prüfstandserkennung im VW-Motor EA189 – nicht eindeutig. 

Dagegen wendet sich der Kläger mit der vom Oberlandesgericht zugelassenen Revision.

Die maßgeblichen Vorschriften lauten: 

§ 826 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB): 

Wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersatz des Schadens verpflichtet. 

Artikel 3 Nr. 10 der Verordnung (EG) Nr. 715/2007:

Im Sinne dieser Verordnung und ihrer Durchführungsmaßnahmen bezeichnet der Ausdruck: […]

“Abschalteinrichtung” ein Konstruktionsteil, das die Temperatur, die Fahrzeuggeschwindigkeit, die Motordrehzahl (UpM), den eingelegten Getriebegang, den Unterdruck im Einlasskrümmer oder sonstige Parameter ermittelt, um die Funktion eines beliebigen Teils des Emissionskontrollsystems zu aktivieren, zu verändern, zu verzögern oder zu deaktivieren, wodurch die Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems unter Bedingungen, die bei normalem Fahrzeugbetrieb vernünftigerweise zu erwarten sind, verringert wird; […]

Artikel 5 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 715/2007:

Die Verwendung von Abschalteinrichtungen, die die Wirkung von Emissionskontrollsystemen verringern, ist unzulässig. Dies ist nicht der Fall, wenn:

a) die Einrichtung notwendig ist, um den Motor vor Beschädigung oder Unfall zu schützen und um den sicheren Betrieb des Fahrzeugs zu gewährleisten; […]

Vorinstanzen: 

Landgericht Mainz – Urteil vom 31. Juli 2019 – 4 O 1/19 

Oberlandesgericht Koblenz – Urteil vom 20. Januar 2020 – 12 U 1593/19 

Karlsruhe, den 5. Juni 2020

Hier finden Sie Alles zum Mercedes Benz Abgasskandal und unseren kostenfreien Diesel-Abgas-Check

Grit Rahn
Rechtsanwältin
Knud J. Steffan
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht

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